Hanna Maron
(22. November 1923 – 30. Mai 2014)


„Ich bin Schauspielerin“ – sagte am 10. Februar 1970 die schwer verletzte Hanna Maron, bevor sie das Bewusstsein verlor.
Der Anschlag auf dem Flughafen München-Riem war für sie ein folgenschwerer Einschnitt. Mehrere Monate kämpfte sie in einem Münchner Krankenhaus um ihr Leben; ihr linkes Bein musste amputiert werden. Die Schauspielerin durchlitt eine seelische Krise. Trotzdem feierte sie jedes Jahr am 10. Februar ihr Überleben. Schon 1971 stand sie wieder auf der Bühne und engagierte sich zeitlebens gegen jede Form von Gewalt.
1923 als Hanna Meierzak in Berlin geboren, begann sie schon als Fünfjährige ihre erfolgreiche Karriere in Theater, Film und Radio. 1931 spielte sie im Deutschen Theater Berlin das Pünktchen aus dem Kinderbuchklassiker „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner. Im selben Jahr war sie in der Anfangsszene von Fritz Langs Film „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ zu sehen.
Der Erfolg des Kinderstars in Deutschland endete jäh mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, als die jüdische Familie fliehen musste. Nach zwei Jahren in Paris trafen 1935 Hanna und ihre Mutter den Vater in Tel Aviv wieder, wo sie sich um ein neues Leben bemühten. Als 17-Jährige besuchte Hanna die Schauspielschule des Traditionstheaters Habima in Tel Aviv. 1942 trat sie als Freiwillige in die britische Armee ein und gehörte seit 1944 der dort gebildeten Jüdischen Brigade an. Als Mitglied des hebräischsprachigen Ensembles Me’ejn se unterhielt sie die Soldat*innen der Brigade mit Musik und Kabarett. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war sie 35 Jahre lang festes Ensemblemitglied des Cameri-Theaters in Tel Aviv, eine der bedeutendsten israelischen Bühnen.
Hanna Maron wurde 1973 mit dem renommierten Israel-Preis geehrt, der höchsten kulturellen Auszeichnung des Staates Israel. Sie war auch eine prominente Stimme für eine friedliche, gewaltfreie jüdisch-arabische Koexistenz und bezog öffentlich Stellung zu vielen gesellschaftlichen Themen wie Frauenrechten oder Wehrdienstverweigerung. 1995 war sie in Washington D. C. Ehrengast bei der Unterzeichnung des Oslo II-Abkommens zwischen dem Staat Israel und der „Palästinensischen Befreiungsorganisation“ (PLO). Von der Ben-Gurion-Universität in Münchens israelischer Partnerstadt Beer Sheva erhielt sie 2007 die Ehrendoktorwürde.
Am 30. Mai 2014 starb Hanna Maron in Tel Aviv. Durch ihren Umgang mit ihrer körperlichen Einschränkung ermutigte sie viele, sich die Lebensfreude zu bewahren.